Zugesetzte Phosphate in Lebensmitteln

So landen kontaminierte Rohstoffe von der Politik unterstĂŒtzt in Dein Organismus

Mehr als jeder vierte Konsument ist besonders gefĂ€hrdet — und weiß es nicht

Ein Rohstoff aus dem Tagebau. Billig, profitabel, tĂ€uschend und gefĂ€hrlich! Ein großer Nutzen fĂŒr die herstellende Industrie! Kein einziger Nutzen fĂŒr Dich! Ganz im Gegenteil:

Selbst Behörden wie die EFSA und das BfR, aber auch Wissenschaftler, Mediziner und andere Institutionen, zumindest solche, die nicht industriefinanziert und somit industrieorientiert arbeiten, man nennt sie auch MietmÀuler, schlagen Alarm:
Eine erhöhte Phosphataufnahme kann mit gravierenden gesundheitlichen Folgen einhergehen. Mediziner und Institutionen warnen bereits seit vielen Jahren vor GefĂ€ĂŸverkalkungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, HyperphosphatĂ€mie, chronischer Niereninsuffizienz sowie schweren Komplikationen im Zusammenhang mit Zellverfall und Tumor-, also auch Krebserkrankungen.

Warum rund 14 Millionen Kinder und bis zu 10 Millionen Nierenkranke die Rechnung bezahlen
und was auf keiner Packung steht, erfÀhrst Du hier!

E 338 · E 339 · E 340 · E 341 · E 343 · E 450 · E 451 · E 452 · E 541 · E 1410 · E 1412 · E 1413 · E 1414 · E 1442

Phosphate

SÀureregulator · Emulgator · Schmelzsalz · Backtriebmittel · Stabilisator · Verdickungsmittel · Trennmittel · Komplexbildner

Vierzehn Zusatzstoffe, ein gemeinsamer Grundstoff: Phosphor aus dem Bergbau. Sie stecken in Wurst, SchmelzkĂ€se, Cola, Brot und Brötchen, Fertigsaucen, Instantsuppen, TiefkĂŒhlgerichten, MilchmischgetrĂ€nken, Fertigdesserts und Kaffeeweißer.

FĂŒr Dich als Verbraucher haben sie keinen einzigen ernĂ€hrungsphysiologischen oder gesundheitlichen Nutzen. Ihr gesamter Zweck liegt auf der Herstellerseite: Wasser binden, Textur erzeugen, Haltbarkeit verlĂ€ngern, Kosten senken. Rechtlich zerfallen die vierzehn Stoffe in drei Gruppen, die völlig unterschiedlich streng behandelt werden.

Gruppe 1 · Die Phosphatsalze

E 338 PhosphorsÀure
E 339 Natriumphosphate
E 340 Kaliumphosphate
E 341 Calciumphosphate
E 343 Magnesiumphosphate
E 450 Diphosphate
E 451 Triphosphate
E 452 Polyphosphate

Gemeinsamer ADI der EFSA. Auf dem Etikett als Klassenname plus Name oder E-Nummer erkennbar.

Gruppe 2 · Das Aluminiumphosphat

E 541 Saures Natriumaluminiumphosphat

Sonderfall. Bewertet wird nicht das Phosphat, sondern das Aluminium. Einzige echte Höchstmenge im gesamten Modul.

Gruppe 3 · Die StÀrkephosphate

E 1410 MonostÀrkephosphat
E 1412 DistÀrkephosphat
E 1413 Phosphatiertes DistÀrkephosphat
E 1414 Acetyliertes DistÀrkephosphat
E 1442 Hydroxypropyl-DistÀrkephosphat

Der blinde Fleck. DĂŒrfen als schlichte „modifizierte StĂ€rke“ auftreten – ohne E-Nummer, ohne Stoffnamen, ohne Mengenangabe.

1 Warum wurde der Stoff aufgenommen?

Phosphate sind die Arbeitspferde der Lebensmittelindustrie. Kaum ein anderer Zusatzstoff greift so tief in die Konstruktion eines Produkts ein.

Was Phosphate technologisch leisten
  • Wasserbindung. In BrĂŒh- und Kochwurst, Schinken, GeflĂŒgel und Fisch lockern Phosphate die Eiweißstruktur des Muskels auf, sodass er Wasser aufnimmt und beim Erhitzen festhĂ€lt.
  • Schmelzsalz. In SchmelzkĂ€se lösen sie das Calcium aus dem Kaseinnetz. Aus KĂ€seresten unterschiedlicher Herkunft entsteht eine homogene, streichfĂ€hige Masse.
  • SĂ€ureregulierung. PhosphorsĂ€ure (E 338) liefert den scharfen, spitzen SĂ€urereiz in Cola-GetrĂ€nken.
  • Backtrieb. Diphosphate (E 450) setzen im Backpulver die KohlensĂ€ure frei.
  • RieselfĂ€higkeit und Verklumpungsschutz in Pulverprodukten, Instantkaffee, Trockensuppen.
  • Kristallisationsschutz in Kondensmilch, Sahneerzeugnissen, Kaffeeweißer.
  • StabilitĂ€t gegen Hitze, SĂ€ure, ScherkrĂ€fte und Gefrier-Tau-Zyklen – die DomĂ€ne der StĂ€rkephosphate E 1410, E 1412, E 1413, E 1414 und E 1442.
Der ökonomische Kern

Hinter fast allen Funktionen steht dasselbe Prinzip: Wasser binden und als Ware verkaufen. Wasser ist die billigste denkbare Zutat. Phosphate erlauben es, Fleischanteil, Fettanteil, Eigelb, Sahne, Fruchtanteil, KĂ€sequalitĂ€t und lange Zubereitungszeit durch gebundenes Wasser plus Textur zu ersetzen – und das Ergebnis maschinengĂ€ngig, reproduzierbar und monatelang lagerfĂ€hig zu machen.

Und fĂŒr Dich?

Nichts. Kein NĂ€hrstoff, den Du sonst nicht bekĂ€mst: Phosphor ist in Milch, KĂ€se, Fleisch, Fisch, Eiern, HĂŒlsenfrĂŒchten, NĂŒssen und Vollkorn reichlich enthalten. Ein Phosphormangel ist bei normaler ErnĂ€hrung praktisch unbekannt. Die natĂŒrlichen Lebensmittel decken den Bedarf vollstĂ€ndig ab. Es gibt keinen zugelassenen gesundheitsbezogenen Nutzen, keine ernĂ€hrungsphysiologische Indikation, keinen Mangel, den ein Phosphat-Zusatzstoff behebt.

Der scheinbare Nutzen fĂŒr Dich ist in Wahrheit eine Produkteigenschaft, keine Personeneigenschaft: Dass die Fertigsauce nach dem Auftauen nicht wĂ€ssert, nĂŒtzt der Sauce. Eine frisch gekochte Sauce hat dieses Problem nie.

2 Wie wird der Stoff hergestellt?
Der Anfang liegt im Tagebau

Alle vierzehn Stoffe dieses Moduls beginnen an derselben Stelle: bei Rohphosphat (Phosphorit, Apatit), das im Tagebau gefördert wird. Die wichtigsten Fördergebiete sind Marokko und die Westsahara, China, die USA (Florida), Russland und Jordanien.

Von dort fĂŒhren zwei Wege in die Lebensmittelproduktion:

  • Nassverfahren. Rohphosphat wird mit SchwefelsĂ€ure aufgeschlossen. Die entstehende PhosphorsĂ€ure muss anschließend fĂŒr LebensmittelqualitĂ€t gereinigt werden – Fluorid, Schwermetalle und weitere Begleitstoffe werden abgetrennt. Daraus entstehen PhosphorsĂ€ure (E 338) und die Natrium-, Kalium-, Calcium- und Magnesiumphosphate (E 339, E 340, E 341, E 343).
  • Thermisches Verfahren. Rohphosphat wird mit Koks und Quarz im Elektroofen bei rund 1.500 °C zu elementarem weißem Phosphor reduziert. Über Phosphortrichlorid entsteht daraus Phosphoroxychlorid – das Vernetzungsmittel fĂŒr die StĂ€rkephosphate.

Die kondensierten Phosphate E 450, E 451 und E 452 entstehen anschließend durch Erhitzen der Orthophosphate: Unter Wasserabspaltung verketten sich die Phosphatgruppen zu Di-, Tri- und Polyphosphaten.

GRUPPE 2 · E 541

Saures Natriumaluminiumphosphat wird durch Umsetzung von PhosphorsÀure mit Aluminiumverbindungen und Natriumhydroxid hergestellt. Es trÀgt damit zwei Fremdelemente ins Lebensmittel: Phosphor und Aluminium.

GRUPPE 3 · E 1410 · E 1412 · E 1413 · E 1414 · E 1442

Rohstoff: native PflanzenstÀrke aus Mais (auch Wachsmais), Weizen, Kartoffel oder importierter Tapioka (Maniok), seltener Erbse und Reis.

Verfahren: Eine wĂ€ssrige AufschlĂ€mmung der StĂ€rke wird unter alkalischen Bedingungen mit Phosphor-Reagenzien behandelt, anschließend neutralisiert, gewaschen und getrocknet. ZusĂ€tzlich ist nach guter Herstellungspraxis eine Behandlung mit SĂ€ure, Lauge, Enzymen oder Bleichmitteln erlaubt.

E-NummerChemischer VorgangEingesetzte Reagenzien
E 1410
MonostÀrkephosphat
Veresterung – die Phosphatgruppe hĂ€ngt an einer StĂ€rkekette OrthophosphorsĂ€ure, Natrium- oder Kaliumorthophosphat, Natriumtripolyphosphat
E 1412
DistÀrkephosphat
Vernetzung – die Phosphatgruppe verbindet zwei StĂ€rkeketten als BrĂŒcke Natriumtrimetaphosphat oder Phosphoroxychlorid
E 1413
Phosphatiertes DistÀrkephosphat
Vernetzung und Veresterung im selben MolekĂŒl die Reagenzien von E 1410 und E 1412 kombiniert
E 1414
Acetyliertes DistÀrkephosphat
Vernetzung, danach zusÀtzlich Acetylierung Natriumtrimetaphosphat oder Phosphoroxychlorid, danach EssigsÀureanhydrid oder Vinylacetat
E 1442
Hydroxypropyl-DistÀrkephosphat
Vernetzung, danach zusÀtzlich Veretherung Natriumtrimetaphosphat oder Phosphoroxychlorid, danach Propylenoxid

Woher stammt der Phosphor in der StĂ€rke? KartoffelstĂ€rke enthĂ€lt von Natur aus geringe Mengen gebundenen Phosphats. Mais- und WeizenstĂ€rke enthalten praktisch keines. Der Phosphor in den StĂ€rkephosphaten ist damit ganz ĂŒberwiegend – bei Mais- und TapiokastĂ€rke praktisch vollstĂ€ndig – industriell zugesetzt und stammt aus demselben Rohphosphat wie die Stoffe der Gruppen 1 und 2.

Gentechnik: Zwei BerĂŒhrungspunkte. Erstens der Rohstoff – MaisstĂ€rke kann anteilig aus gentechnisch verĂ€ndertem Mais stammen, vor allem bei Importen aus Nord- und SĂŒdamerika. Hier greift jedoch die Kennzeichnungspflicht nach Verordnung (EG) Nr. 1829/2003, und zwar auch dann, wenn das gentechnisch verĂ€nderte Material im Endprodukt nicht mehr nachweisbar ist. Zweitens die Enzyme, mit denen die StĂ€rke aufgeschlossen und bearbeitet wird: Sie werden zu einem großen Teil mit gentechnisch verĂ€nderten Mikroorganismen hergestellt. Das gilt als „mit Hilfe von GVO hergestellt“ und ist nicht kennzeichnungspflichtig.

3 UnerwĂŒnschte Nebenprodukte und Verunreinigungen

Die EU-Reinheitskriterien erlauben in Phosphat-Zusatzstoffen Arsen, Cadmium, Blei und Quecksilber in einer Konzentration von jeweils bis zu 1 mg/kg. Die EFSA hat 2019 ausdrĂŒcklich festgestellt, dass eine Belastung in dieser Höhe die Aufnahme dieser Metalle erheblich beeinflussen könnte – da die Belastung der Bevölkerung mit ihnen bereits nahe an den gesundheitsbezogenen Richtwerten liegt.

Quelle: EFSA FAF Panel, EFSA Journal 2019;17(6):5674 · Verordnung (EU) Nr. 231/2012

Warum das kein Zufall ist

Rohphosphat ist geogen belastet. Je nach LagerstĂ€tte enthĂ€lt das Gestein Cadmium, Uran, Arsen, Blei und Fluorid. Marokkanisches Rohphosphat – eine der wichtigsten Quellen fĂŒr den europĂ€ischen Markt – gilt als besonders cadmiumreich.

Die Reinigung fĂŒr LebensmittelqualitĂ€t soll diese Begleitstoffe abtrennen. VollstĂ€ndig gelingt das nicht, und das ist auch nicht verlangt: Die Verordnung (EU) Nr. 231/2012 setzt keine Nullgrenze, sondern zulĂ€ssige Höchstgehalte. Das Gestein bestimmt also mit, was am Ende im SchmelzkĂ€se landet.

ReagenzienrĂŒckstĂ€nde bei den StĂ€rkephosphaten

Bei E 1442 wird Propylenoxid eingesetzt – ein Stoff, den die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) in Gruppe 2B eingeordnet hat: möglicherweise krebserzeugend fĂŒr den Menschen. RĂŒckstĂ€nde von Propylenoxid und Propylenchlorhydrin sind bis jeweils 1 mg/kg im fertigen Zusatzstoff zulĂ€ssig. Auf dem Etikett steht davon nichts – dort steht „modifizierte StĂ€rke“.

Quelle: IARC Monographs, Propylene oxide, Gruppe 2B · Verordnung (EU) Nr. 231/2012, Spezifikation E 1442

IARC-Einstufungen im Überblick: Gruppe 1 – krebserzeugend fĂŒr den Menschen · Gruppe 2A – wahrscheinlich krebserzeugend · Gruppe 2B – möglicherweise krebserzeugend · Gruppe 3 – nicht einstufbar

GRUPPE 3 · E 1410 · E 1412 · E 1413 · E 1414 · E 1442

Hier kommen Stoffe zum Einsatz, die mit „StĂ€rke aus Mais“ nichts zu tun haben:

  • Phosphoroxychlorid (POCl₃) – ein hochreaktives, Ă€tzendes Chlorierungsmittel aus der chemischen Industrie. Es reagiert heftig mit Wasser unter Bildung von PhosphorsĂ€ure und SalzsĂ€ure.
  • Vinylacetat – Acetylierungsmittel bei E 1414.
  • Propylenoxid – Veretherungsmittel bei E 1442. Von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC als möglicherweise krebserzeugend fĂŒr den Menschen (Gruppe 2B) eingestuft.
  • Natriumtrimetaphosphat und Natriumtripolyphosphat – die Phosphatquelle selbst.

Die Verordnung (EU) Nr. 231/2012 begrenzt den im Produkt verbleibenden gebundenen Phosphor:

StoffWeizen- und KartoffelstÀrkeStÀrke anderer Herkunft
E 1412 DistÀrkephosphatmax. 0,5 % gebundener Phosphormax. 0,4 %
E 1414 Acetyliertes DistÀrkephosphatmax. 0,14 % gebundener Phosphormax. 0,04 %
zusÀtzlich max. 2,5 % Acetylgruppen
E 1442 Hydroxypropyl-DistÀrkephosphatmax. 7,0 % Hydroxypropylgruppen
Propylenoxid: max. 1 mg/kg
Propylenchlorhydrin: max. 1 mg/kg

Dass die Grenzwerte nach Rohstoff gestaffelt sind, hat einen aufschlussreichen Grund: Die Verordnung trĂ€gt damit dem natĂŒrlichen Phosphatgehalt der KartoffelstĂ€rke Rechnung. Welcher Rohstoff in Deinem Produkt verwendet wurde, erfĂ€hrst Du allerdings nicht.

4 Auf welcher Grundlage wurde der Stoff zugelassen?

Der Maßstab ist Unbedenklichkeit, nicht Nutzen. Ein Zusatzstoff muss dem Verbraucher nichts bringen, um zugelassen zu werden. Er muss ihm nur nicht nachweisbar schaden. Keine der folgenden Bewertungen hat je geprĂŒft, ob ein Phosphat-Zusatzstoff einen Vorteil fĂŒr den Menschen hat, der ihn isst.

GRUPPE 1 · E 338 · E 339 · E 340 · E 341 · E 343 · E 450 · E 451 · E 452

Die EFSA hat diese acht Stoffe 2019 gemeinsam neu bewertet und einen Gruppen-ADI von 40 mg Phosphor pro Kilogramm Körpergewicht und Tag abgeleitet. Das Gremium hielt sie fĂŒr gering akut toxisch und sah keinen Anlass zur Sorge hinsichtlich GenotoxizitĂ€t und KarzinogenitĂ€t.

Der ADI gilt als schĂŒtzend – ausdrĂŒcklich fĂŒr gesunde Erwachsene. FĂŒr Menschen mit eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion trifft er diese Aussage nicht.

GRUPPE 2 · E 541

Hier ist das Aluminium der bewertungsrelevante Stoff, nicht das Phosphat. Maßstab ist die tolerierbare wöchentliche Aufnahme fĂŒr Aluminium. Als Konsequenz wurde die Zulassung 2014 drastisch eingeschrĂ€nkt – siehe Block 5.

GRUPPE 3 · E 1410 · E 1412 · E 1413 · E 1414 · E 1442

Die EFSA hat 2017 zwölf modifizierte StÀrken gemeinsam neu bewertet. Ergebnis: kein Sicherheitsbedenken bei den gemeldeten Anwendungen, kein numerischer ADI erforderlich.

Bemerkenswert ist, worauf diese Entwarnung beruht:

  • auf Read-across – der Übertragung von Studiendaten einer Substanz auf die andere, nicht auf substanzspezifischen Studien fĂŒr jede einzelne StĂ€rke;
  • auf In-silico-Analysen fĂŒr die Frage der GenotoxizitĂ€t – also auf Computermodellen, nicht auf Laborbefunden.

Die geschĂ€tzte kombinierte Aufnahme lag bei den Vielverzehrern – also den fĂŒnf Prozent der Bevölkerung mit dem höchsten Verzehr – bei bis zu 3.053 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ein sehr hoher Wert, der ohne ADI schlicht keinen Bezugsrahmen hat. Es existiert nichts, woran er zu messen wĂ€re.

5 Mengenbegrenzungen – und ob Du sie ĂŒberprĂŒfen kannst

Die EFSA stellte 2019 fest: Bei SĂ€uglingen, Kleinkindern und Kindern liegt die geschĂ€tzte Phosphataufnahme bereits im Durchschnitt ĂŒber dem Gruppen-ADI. Bei den Vielverzehrern liegen zusĂ€tzlich auch Jugendliche darĂŒber. Der Grenzwert wird von den JĂŒngsten nicht knapp erreicht, sondern ĂŒberschritten.

Quelle: EFSA FAF Panel, EFSA Journal 2019;17(6):5674

Zwei Dinge, die man nicht verwechseln darf

Eine Höchstmenge ist eine Vorgabe an den Hersteller. Sie steht in der Verordnung, nicht auf der Packung. Eine Mengenangabe wĂ€re eine Information fĂŒr Dich. Die gibt es nicht – fĂŒr keinen einzigen der vierzehn Stoffe. Ob im Biskuit 40 oder 400 mg/kg stecken, ob die Sauce zu einem oder zu acht Prozent aus modifizierter StĂ€rke besteht: Du erfĂ€hrst es nicht.

Welche Vorgaben fĂŒr den Hersteller gelten
 Gruppe 1
E 338 · E 339 · E 340 · E 341 · E 343 · E 450 · E 451 · E 452
Gruppe 2
E 541
Gruppe 3
E 1410 · E 1412 · E 1413 · E 1414 · E 1442
ZahlenmĂ€ĂŸige Höchstmenge im Lebensmittel? Je nach Lebensmittelkategorie festgelegt – von wenigen hundert mg/kg bis zu 20.000 mg/kg in SchmelzkĂ€se und Backmischungen und 50.000 mg/kg in Kaffeeweißer fĂŒr Automaten 400 mg/kg
nur BiskuitgebĂ€ck, seit 1. Februar 2014; zuvor 1.000 mg/kg einschließlich Scones
Keine – quantum satis
Ausnahme: SĂ€uglings- und Kleinkindernahrung
ADI / Tagesrichtwert? 40 mg P / kg KG Über Aluminium geregelt Kein numerischer ADI

Die Zahlen der ersten Zeile sind kein Druckfehler: In SchmelzkĂ€se sind bis zu 20 Gramm Phosphat pro Kilogramm zulĂ€ssig, in Kaffeeweißer fĂŒr Automaten bis zu 50 Gramm pro Kilogramm. „Begrenzt“ heißt bei Gruppe 1 also nicht „gering“.

Quantum satis heißt: Es ist gar kein zahlenmĂ€ĂŸiger Höchstwert festgelegt. Der Stoff darf nach guter Herstellungspraxis eingesetzt werden – in der Menge, die fĂŒr den angestrebten Zweck nötig ist. Die Menge bestimmt damit der Hersteller. „So viel wie technologisch nötig“ ist keine Grenze, sondern eine Selbstauskunft.

Kannst Du das als Verbraucher ĂŒberprĂŒfen?
FrageGruppe 1Gruppe 2Gruppe 3
Steht der Stoff ĂŒberhaupt auf dem Etikett? Ja Ja Nein
ErfÀhrst Du, welcher Stoff es ist? Ja Ja Nein
ErfÀhrst Du die enthaltene Menge? Nein Nein Nein
Kannst Du Deine Tagesaufnahme berechnen? Nein Nein Nein

Bei Gruppe 3 fehlt jede BezugsgrĂ¶ĂŸe gleichzeitig: keine Höchstmenge im Produkt, kein ADI, keine Mengenangabe auf der Packung, nicht einmal der Name des Stoffs. Vier Nein. Es existiert nichts, woran Du irgendetwas messen könntest.

6 Wo ĂŒberall Phosphate stecken

Phosphate sind kein Nischenzusatzstoff. Sie durchziehen praktisch das gesamte Sortiment der hochverarbeiteten Lebensmittel. Wer sie meiden will, muss wissen, wo sie sitzen – und dass sie oft an Stellen sitzen, an denen man sie nicht vermutet, etwa im Brötchen vom Discounter oder im Kaffeeweißer im BĂŒro.

Fleisch- und Wurstwaren

BrĂŒhwurst, Bockwurst, Wiener, Lyoner, Fleischwurst, LeberkĂ€se, Kochschinken, Formfleisch-Schinken, Aufschnitt, GeflĂŒgelbrust und GeflĂŒgelaufschnitt, Kebab- und Gyrosspieße, Frikadellen, Hackfleischzubereitungen, Bratwurst-BrĂ€t.

KĂ€se und Milchprodukte

SchmelzkĂ€se, SchmelzkĂ€sezubereitungen, Scheibletten, StreichkĂ€se, KĂ€sezubereitungen fĂŒr Burger und Pizza, FrischkĂ€sezubereitungen, Kondensmilch, Sahneerzeugnisse, Kaffeeweißer, MilchmischgetrĂ€nke, KakaogetrĂ€nkepulver, Pudding und Fertigdesserts, Speiseeis.

Brot, Brötchen, Backwaren

Aufbackbrötchen, Discounterbrötchen, Toastbrot, Fertigteige, Backmischungen, Backpulver, Muffins, Waffeln, Pfannkuchenteig, Kuchen aus industrieller Fertigung, BiskuitgebÀck (E 541).

GetrÀnke

Cola-GetrÀnke (PhosphorsÀure E 338), weitere ErfrischungsgetrÀnke, Instant-GetrÀnkepulver, SportgetrÀnke, Proteindrinks, Pulverkaffee-Zubereitungen.

Fertiggerichte und Convenience

Instantsuppen und TĂŒtensuppen, Fertigsaucen, Saucenbinder, Salatdressings, Ketchup, Mayonnaise-Zubereitungen, TiefkĂŒhl-Fertiggerichte, Pizza, Lasagne, panierte TiefkĂŒhlprodukte, Instant-Nudelgerichte, Kartoffelfertigprodukte, angereichertes KartoffelpĂŒree-Pulver, Pommes-Zubereitungen.

Fisch und MeeresfrĂŒchte

TiefkĂŒhlfisch (Wasserbindung beim Glasieren), FischstĂ€bchen, Surimi, Garnelen- und Krebsfleischerzeugnisse, Fischzubereitungen.

Pflanzliche Alternativprodukte

Fleischersatzprodukte, vegane Wurst- und KĂ€sealternativen, pflanzliche Drinks – hier werden Phosphate fĂŒr dieselben Zwecke eingesetzt wie im tierischen Original: Textur, Bindung, StabilitĂ€t.

SĂŒĂŸwaren und Sonstiges

Fruchtzubereitungen in Joghurt, BackwarenfĂŒllungen, Kaugummi, NahrungsergĂ€nzungsmittel, Sportlernahrung.

Die Faustregel

Je stĂ€rker ein Produkt verarbeitet ist, je lĂ€nger es haltbar ist, je weiter es vom ursprĂŒnglichen Lebensmittel entfernt ist – desto wahrscheinlicher enthĂ€lt es Phosphate. Umgekehrt gilt: Ein frischer Apfel, ein StĂŒck Fleisch vom Metzger, ein Laib Brot vom BĂ€cker mit Sauerteig, eine selbst gekochte Sauce – dort haben Phosphat-Zusatzstoffe nichts zu suchen und nichts zu tun.

Bei Gruppe 3 wird die Suche schwierig: In Instantsuppen, Fertigsaucen, Salatdressings, Fertigdesserts und TiefkĂŒhlgerichten steht „modifizierte StĂ€rke“ – ohne dass Du erkennen kannst, ob es sich um ein StĂ€rkephosphat handelt oder nicht.

7 Besonders gefĂ€hrdet: Mehr als jeder Vierte in Deutschland – und die meisten wissen es nicht

Menschen mit einer Nierenerkrankung sollten auf Speisen mit zugesetzten Phosphaten vollstĂ€ndig verzichten. Zugesetzte Phosphate können bei ihnen zu schweren gesundheitlichen Folgen fĂŒhren: GefĂ€ĂŸverkalkung, KnochenschĂ€den, erhöhte Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Erhöhte Phosphatspiegel im Blut zĂ€hlen bei Dialysepatienten zu den potentesten Risikofaktoren fĂŒr vorzeitigen Tod.

FĂŒr Kinder und Jugendliche gilt dasselbe Ziel: null zugesetzte Phosphate. Sie ĂŒberschreiten den Grenzwert der Behörde bereits heute im Durchschnitt.

Der Verzicht kostet nichts: NatĂŒrliche Lebensmittel decken den Phosphorbedarf vollstĂ€ndig ab. Ein Phosphormangel ist bei normaler ErnĂ€hrung praktisch unbekannt.

Quellen: Ritz E et al., Deutsches Ärzteblatt International 2012; 109(4): 49–55 · EFSA Journal 2019;17(6):5674

Über wie viele Menschen reden wir?

Die beiden Risikogruppen sind keine Randgruppen. Zusammengenommen sind sie mehr als ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands.

RisikogruppeGrĂ¶ĂŸenordnung in Deutschland
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren rund 14 Millionen
etwa jeder Sechste
Menschen mit chronischer Nierenerkrankung
einschließlich der nicht diagnostizierten
SchÀtzungen reichen bis zu 10 Millionen
diagnostiziert sind deutlich weniger – siehe unten
Zusammen ĂŒber 20 Millionen Menschen – mehr als jeder Vierte
Das Kernproblem: Die meisten wissen nichts davon

Eine chronische Nierenerkrankung beginnt schleichend und bleibt lange ohne Symptome. Eine Auswertung der NAKO-Gesundheitsstudie, im Juni 2026 im Deutschen Ärzteblatt International veröffentlicht, untersuchte Urinproben von rund 35.000 Menschen: Jeder Sechste hatte auffĂ€llige Nierenwerte – aber nur rund vier Prozent der Betroffenen wussten von einer entsprechenden Diagnose.

Das heißt im Klartext: Millionen Menschen in Deutschland haben eine eingeschrĂ€nkte Nierenfunktion, essen tĂ€glich SchmelzkĂ€se, Wurst, Cola und Fertigprodukte – und ahnen nicht, dass sie zu genau der Gruppe gehören, fĂŒr die der ADI der Behörde ausdrĂŒcklich nicht als schĂŒtzend formuliert ist.

Der entscheidende Unterschied: Wie viel im Körper ankommt

Dies ist der wichtigste Punkt des gesamten Moduls, und er wird in der öffentlichen Diskussion fast immer ĂŒbersehen: Zugesetztes Phosphat wird ungleich besser aufgenommen als natĂŒrliches.

PhosphatquelleWie viel davon der Körper aufnimmt
Zugesetzte Phosphate aus Zusatzstoffen
anorganisch, frei löslich
bis zu 90 %, nach Angaben mehrerer Quellen nahezu vollstÀndig
NatĂŒrliches Phosphat aus tierischen Lebensmitteln
Milch, KĂ€se, Fleisch, Fisch, Ei
rund 40 bis 60 %
NatĂŒrliches Phosphat aus pflanzlichen Lebensmitteln
Getreide, HĂŒlsenfrĂŒchte, NĂŒsse – als Phytat gebunden
nur rund 20 bis 50 %

Der Grund liegt in der chemischen Form. NatĂŒrliches Phosphat ist organisch an große MolekĂŒle gebunden und muss im Darm erst aufgespalten werden; ein erheblicher Teil wird ungenutzt ausgeschieden. In pflanzlichen Lebensmitteln liegt es als Phytat vor, das der Mensch mangels des Enzyms Phytase kaum aufspalten kann. Zugesetztes Phosphat dagegen ist anorganisch, frei löslich und sofort verfĂŒgbar. Die DFG-Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln formuliert es unmissverstĂ€ndlich: Anorganisches Phosphat aus Lebensmittelzusatzstoffen ist leicht bioverfĂŒgbar und wird nahezu vollstĂ€ndig aufgenommen.

Die Konsequenz: Dieselbe Milligrammzahl auf dem Papier bedeutet nicht dieselbe Belastung im Blut. 300 mg Phosphor aus Linsen sind etwas völlig anderes als 300 mg Phosphor aus SchmelzkÀse. Genau darum ist es falsch, zuerst Fleisch, Fisch, KÀse und Vollkorn einzuschrÀnken. Der kritische Blick gehört auf die Zutatenliste der verarbeiteten Produkte.

Warum Nierenkranke ganz verzichten sollten

Phosphat wird ĂŒber die Niere ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion eingeschrĂ€nkt, funktioniert dieser Weg nicht mehr zuverlĂ€ssig – der Phosphatspiegel im Blut steigt. Eine dauerhaft erhöhte Phosphatkonzentration (HyperphosphatĂ€mie) ist in der Nephrologie ein etablierter Risikofaktor fĂŒr GefĂ€ĂŸverkalkung, KnochenschĂ€den und erhöhte Sterblichkeit.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Nierenpatienten können ihre Phosphataufnahme aus Zusatzstoffen nicht berechnen, weil die Mengenangaben fehlen. WĂ€hrend sich der Phosphorgehalt natĂŒrlicher Lebensmittel in NĂ€hrwerttabellen nachschlagen lĂ€sst, bleibt der Beitrag der versteckten Phosphate unkalkulierbar. Deshalb bleibt Betroffenen in der Regel nichts anderes ĂŒbrig, als auf zusatzstoffreiche Produkte weitgehend zu verzichten.

Bei E 541 kommt das Aluminium hinzu: Auch dieses wird ĂŒber die Niere ausgeschieden, und auch hier kann es bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion zu einer Anreicherung im Körper kommen.

Warum Kinder und Jugendliche besonders betroffen sind
  • Sie ĂŒberschreiten den Grenzwert bereits. Die EFSA hat 2019 selbst festgestellt, dass die geschĂ€tzte Phosphataufnahme bei SĂ€uglingen, Kleinkindern und Kindern schon im Durchschnitt ĂŒber dem Gruppen-ADI liegt.
  • Sie essen genau die Produkte, in denen Phosphate stecken: Wurst, SchmelzkĂ€se, Cola, Aufbackbrötchen, Pudding, Fertigpizza, FischstĂ€bchen, Instantsuppen.
  • Sie sind leichter. Der ADI bezieht sich auf das Körpergewicht. Dieselbe Portion SchmelzkĂ€se schöpft bei einem 25 kg schweren Kind mehr als dreimal so viel des Tageswertes aus wie bei einem 80 kg schweren Erwachsenen.
  • Sie nehmen Phosphat besonders gut auf. SĂ€uglinge, Kleinkinder und Kinder befinden sich im Wachstum und haben eine positive Phosphatbilanz – ihre Resorptionsrate liegt höher als die von Erwachsenen.
  • Der ADI schĂŒtzt sie nicht. Er ist als schĂŒtzend fĂŒr gesunde Erwachsene formuliert.

Und die Kernaussage bleibt: Ein Verzicht bringt keinerlei Nachteil mit sich. Phosphor ist in Milch, KĂ€se, Fleisch, Fisch, Eiern, HĂŒlsenfrĂŒchten, NĂŒssen und Vollkorn reichlich enthalten. Wer zugesetzte Phosphate meidet, riskiert keinen Mangel – er vermeidet lediglich eine Überversorgung, die niemand braucht.

8 Was Ärzte und Wissenschaftler sagen
Merke · Die Ärzte warnen seit Jahren

Bereits 2012 veröffentlichten fĂŒnf deutsche Nephrologen im Deutschen Ärzteblatt eine Übersichtsarbeit mit dem Titel „Gesundheitsrisiko durch PhosphatzusĂ€tze in Nahrungsmitteln“. Ihre zentrale Aussage: PhosphatzusĂ€tze in Nahrungsmitteln können auch fĂŒr die Normalbevölkerung potenziell nachteilige gesundheitliche Auswirkungen haben – nicht nur fĂŒr Nierenkranke.

  • Bei Dialysepatienten gehören hohe Serumphosphatspiegel zu den potentesten Risikofaktoren fĂŒr erhöhte Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit.
  • In einer Auswertung von 40.538 Dialysepatienten waren rechnerisch 12 Prozent der beobachteten TodesfĂ€lle mit erhöhten Phosphatspiegeln assoziiert.
  • In einer prospektiven Studie ĂŒber fĂŒnf Jahre hatten Patienten mit der höchsten Phosphatzufuhr ein 2,37-fach erhöhtes Sterberisiko gegenĂŒber jenen mit der niedrigsten.
  • Eine kontrollierte Interventionsstudie zeigte: Allein die AufklĂ€rung ĂŒber phosphathaltige Zusatzstoffe und ihr Vorkommen fĂŒhrte dazu, dass Betroffene entsprechende Lebensmittel mieden – und ihre Phosphatspiegel im Blut sanken.

Ritz E, Hahn K, Ketteler M, Kuhlmann MK, Mann J: Gesundheitsrisiko durch PhosphatzusĂ€tze in Nahrungsmitteln. Deutsches Ärzteblatt International 2012; 109(4): 49–55. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0049 — Nierenzentrum Heidelberg, Nephrologische Gemeinschaftspraxis Dortmund, Klinikum Coburg, Vivantes Klinikum im Friedrichshain Berlin, StĂ€dtisches Klinikum MĂŒnchen Schwabing.

Die Datenlage im Überblick

Die Warnung ist seither nicht leiser geworden. In einer nephrologischen Übersichtsarbeit von 2017 halten Hahn und Ketteler fest, dass zwischen den Phosphatquellen gravierende Unterschiede bestehen: Am wenigsten wird Phosphat aus pflanzlichen Quellen aufgenommen, Phosphat aus Fleischprodukten in mittlerem Maß – wĂ€hrend anorganische PhosphatzusĂ€tze sehr effektiv resorbiert werden. Ihre praktische Empfehlung: Bevor Fleisch, Fisch und Vollkornprodukte reduziert werden, gehört ein kritischer Blick auf die Zutatenliste der verarbeiteten Lebensmittel.

Auch die DFG-Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln hat sich mit der Phosphatexposition befasst und benennt sowohl die nahezu vollstĂ€ndige BioverfĂŒgbarkeit der Zusatzstoff-Phosphate als auch die Höhe der zulĂ€ssigen Höchstmengen.

Was die Behörde selbst sagt

Die EFSA formuliert ihren Gruppen-ADI von 40 mg Phosphor pro Kilogramm Körpergewicht ausdrĂŒcklich als schĂŒtzend fĂŒr gesunde Erwachsene. FĂŒr Menschen mit eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion – in Deutschland betrifft das mehrere Millionen, viele davon ohne Diagnose – trifft sie diese Aussage nicht. Und sie stellt zugleich fest, dass Kinder den Wert bereits ĂŒberschreiten.

Hinweis zur Einordnung: FĂŒr die StĂ€rkephosphate E 1410, E 1412, E 1413, E 1414 und E 1442 existieren derzeit keine klinischen Studien zu spezifischen gesundheitlichen SchĂ€den. Was gesichert ist: Sie tragen Phosphor ein, dieser Eintrag wird in keiner behördlichen Bilanz mitgerechnet, und sie dĂŒrfen ohne Mengenbegrenzung eingesetzt werden.

9 Was die Behörden offenlassen

Der Gruppen-ADI von 40 mg Phosphor pro Kilogramm Körpergewicht bezieht sich ausschließlich auf E 338, E 339, E 340, E 341, E 343, E 450, E 451 und E 452. Der Phosphor aus den StĂ€rkephosphaten E 1410, E 1412, E 1413, E 1414 und E 1442 wird im Körper freigesetzt und aufgenommen – fließt aber nicht in die Rechnung ein, mit der die Behörde prĂŒft, ob der ADI ĂŒberschritten wird. Und er ist schon aus Gruppe 1 allein bei Kindern ĂŒberschritten.

Quelle: EFSA Journal 2019;17(6):5674 (Gruppe 1) und EFSA Journal 2017;15(10):4911 (modifizierte StĂ€rken) – zwei getrennte Bewertungen, keine gemeinsame Bilanz

Die offenen Punkte im Einzelnen
  • Getrennte Bilanzen statt Gesamtbilanz. Drei Gruppen, drei Bewertungen, drei MaßstĂ€be – aber nur ein Körper, der alles aufnimmt.
  • Der Schwermetalleintrag ist erlaubt, nicht ausgeschlossen. Die EFSA hat 2019 selbst angemerkt, dass Arsen, Cadmium, Blei und Quecksilber in Phosphaten bis jeweils 1 mg/kg zulĂ€ssig sind und dass dies die Gesamtaufnahme dieser Metalle spĂŒrbar beeinflussen könnte.
  • Read-across statt EinzelprĂŒfung. Bei den modifizierten StĂ€rken wurde die Unbedenklichkeit weitgehend aus den Daten verwandter Substanzen abgeleitet, die GenotoxizitĂ€tsfrage ĂŒber Computermodelle beantwortet.
  • Quantum satis ohne Obergrenze. FĂŒr Gruppe 3 gibt es weder eine Höchstmenge im Produkt noch einen ADI. Aufnahmemengen lassen sich damit weder begrenzen noch bewerten.
  • Nierenkranke sind nicht der Maßstab. Der ADI ist ausdrĂŒcklich als schĂŒtzend fĂŒr gesunde Erwachsene formuliert.
  • Keine Mengenangabe, keine Kontrolle durch Dich. Die Einhaltung der Höchstmengen ist Sache der LebensmittelĂŒberwachung. Du selbst kannst sie an keiner Stelle nachprĂŒfen – auch nicht als Nierenpatient, der darauf angewiesen wĂ€re.
10 Zulassung und Kennzeichnung im Detail
GRUPPE 1 · E 338 · E 339 · E 340 · E 341 · E 343 · E 450 · E 451 · E 452

Deklaration mit Klassenname plus Name oder E-Nummer. Auf dem Etikett steht also etwa „SĂ€ureregulator: PhosphorsĂ€ure“, „Schmelzsalz: E 452“ oder „Stabilisator: Diphosphate“. Beide Formen sind zulĂ€ssig – der Klartextname ist keine Pflicht, die E-Nummer aber auch nicht. Eine Mengenangabe ist in keinem Fall vorgeschrieben.

GRUPPE 2 · E 541

Deklaration wie Gruppe 1. Die Zulassung ist auf BiskuitgebĂ€ck beschrĂ€nkt, mit einer Höchstmenge von 400 mg/kg, ausgedrĂŒckt als Aluminium. Bis zum 31. Januar 2014 waren 1.000 mg/kg zulĂ€ssig, und die Zulassung umfasste zusĂ€tzlich Scones.

GRUPPE 3 · E 1410 · E 1412 · E 1413 · E 1414 · E 1442

Hier liegt die eigentliche KennzeichnungslĂŒcke des gesamten Moduls. Eine Ausnahmeregel der Lebensmittelinformationsverordnung erlaubt die Angabe des Klassennamens „modifizierte StĂ€rke“ – und damit entfĂ€llt:

  • die E-Nummer,
  • der Stoffname – Du erfĂ€hrst nicht, welche der zwölf modifizierten StĂ€rken verwendet wurde,
  • die Information, ob ĂŒberhaupt Phosphat im Spiel ist – acetylierte StĂ€rke (E 1420) und HydroxypropylstĂ€rke (E 1440) stehen unter demselben Sammelbegriff und enthalten keines,
  • die Mengenangabe,
  • die Rohstoffquelle – mit einer Ausnahme: Stammt die StĂ€rke aus einem glutenhaltigen Getreide, muss die Getreideart genannt werden („modifizierte WeizenstĂ€rke“). Das ist jedoch Allergenrecht, nicht Zusatzstoffrecht. Bei Mais, Kartoffel, Tapioka oder Erbse entfĂ€llt jede Angabe.
11 Quellen
  • Ritz E, Hahn K, Ketteler M, Kuhlmann MK, Mann J: Gesundheitsrisiko durch PhosphatzusĂ€tze in Nahrungsmitteln. Deutsches Ärzteblatt International 2012; 109(4): 49–55 · DOI: 10.3238/arztebl.2012.0049 · Übersichtsarbeit, veröffentlicht 27. Januar 2012
  • EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (FAF): Re-evaluation of phosphoric acid–phosphates – di-, tri- and polyphosphates (E 338–341, E 343, E 450–452) as food additives and the safety of proposed extension of use. EFSA Journal 2019;17(6):5674, 156 S. · DOI: 10.2903/j.efsa.2019.5674 · veröffentlicht 12. Juni 2019
  • EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (ANS): Re-evaluation of oxidised starch (E 1404), monostarch phosphate (E 1410), distarch phosphate (E 1412), phosphated distarch phosphate (E 1413), acetylated distarch phosphate (E 1414), hydroxypropyl distarch phosphate (E 1442) 
 as food additives. EFSA Journal 2017;15(10):4911 · DOI: 10.2903/j.efsa.2017.4911
  • NAKO-Gesundheitsstudie / UniversitĂ€tsklinikum Freiburg: Auswertung zur HĂ€ufigkeit nicht erkannter chronischer Nierenerkrankungen in Deutschland. Veröffentlicht am 26. Juni 2026 im Deutschen Ärzteblatt International · Urinproben von rund 35.000 Personen; bei jedem Sechsten auffĂ€llige Nierenwerte, nur rund vier Prozent davon mit passender Diagnose
  • Hahn K, Ketteler M: Die vielen Gesichter von Phosphat in der ErnĂ€hrung. Der Nephrologe 2017; 12: 173–182 · DOI: 10.1007/s11560-017-0143-0
  • DFG, Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln (SKLM): Stellungnahme zur Phosphatexposition ĂŒber Lebensmittel. dfg.de
  • EFSA FAF Panel: Re-evaluation of aluminium sulphates (E 520–523) and sodium aluminium phosphate (E 541) as food additives. EFSA Journal 2018 · efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/5372
  • IARC – International Agency for Research on Cancer: Propylene oxide. IARC Monographs · Einstufung Gruppe 2B – möglicherweise krebserzeugend fĂŒr den Menschen
  • Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 ĂŒber Lebensmittelzusatzstoffe, Anhang II – Zulassungen und Höchstmengen, konsolidierte Fassung. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2008/1333/oj
  • Verordnung (EU) Nr. 231/2012 zur Festlegung von Spezifikationen fĂŒr Lebensmittelzusatzstoffe. Grundlage der Definitionen von E 1410, E 1412, E 1413, E 1414 und E 1442 sowie der Höchstgehalte fĂŒr Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber
  • Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher ĂŒber Lebensmittel – Kennzeichnung, Ausnahmeregel „modifizierte StĂ€rke“.
  • Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 ĂŒber genetisch verĂ€nderte Lebensmittel und Futtermittel – Kennzeichnungspflicht, Schwellenwert 0,9 %.
  • Verbraucherzentrale / Lebensmittelklarheit: Warum hat modifizierte StĂ€rke keine E-Nummer? lebensmittelklarheit.de
  • transGEN-Datenbank Zusatzstoffe: Modifizierte StĂ€rke E 1404–E 1450. Stand November 2024 · transgen.de
  • Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Aluminium in Lebensmitteln. WD 5 – 3000 – 137/22

Kurz gemerkt

  • Zugesetztes Phosphat wird bis zu 90 Prozent, nach mehreren Quellen nahezu vollstĂ€ndig aufgenommen. NatĂŒrliches Phosphat aus tierischen Lebensmitteln nur zu 40 bis 60 Prozent, aus pflanzlichen nur zu 20 bis 50 Prozent. Das ist der Kern der Gefahr.
  • Mehr als jeder Vierte in Deutschland gehört zu den besonders GefĂ€hrdeten: rund 14 Millionen Kinder und Jugendliche, dazu SchĂ€tzungen von bis zu 10 Millionen Nierenerkrankten. Die meisten von ihnen wissen es nicht – eine Nierenerkrankung bleibt lange ohne Symptome.
  • Nierenkranke sollten auf Speisen mit zugesetzten Phosphaten vollstĂ€ndig verzichten. Zugesetzte Phosphate können bei ihnen zu GefĂ€ĂŸverkalkung, KnochenschĂ€den und erhöhter Sterblichkeit fĂŒhren. Dasselbe Ziel gilt fĂŒr Kinder und Jugendliche.
  • FĂŒnf Nephrologen warnten bereits 2012 im Deutschen Ärzteblatt: PhosphatzusĂ€tze können auch fĂŒr die Normalbevölkerung nachteilige gesundheitliche Auswirkungen haben.
  • Bei SĂ€uglingen, Kleinkindern und Kindern liegt die geschĂ€tzte Phosphataufnahme schon im Durchschnitt ĂŒber dem Gruppen-ADI von 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
  • Alle vierzehn Stoffe beginnen im Tagebau. Der Phosphor stammt aus Rohphosphat – Marokko, Westsahara, China, USA, Russland – und das Gestein bringt Cadmium, Uran, Arsen, Blei und Fluorid mit.
  • Die EU erlaubt in Phosphat-Zusatzstoffen Arsen, Cadmium, Blei und Quecksilber bis jeweils 1 mg/kg. Die EFSA hat 2019 selbst angemerkt, dass das die Belastung spĂŒrbar erhöhen könnte.
  • Die StĂ€rkephosphate E 1410, E 1412, E 1413, E 1414 und E 1442 dĂŒrfen als „modifizierte StĂ€rke“ auftreten: ohne E-Nummer, ohne Stoffnamen, ohne Mengenangabe, ohne Rohstoffangabe – und ohne jede Höchstmenge. Ihr Phosphor wird im Körper freigesetzt, aber in keiner behördlichen Bilanz mitgerechnet.
  • Bei E 1442 wird Propylenoxid eingesetzt – von der IARC als möglicherweise krebserzeugend (Gruppe 2B) eingestuft. RĂŒckstĂ€nde sind bis 1 mg/kg zulĂ€ssig. Auf dem Etikett steht „modifizierte StĂ€rke“.
  • Kein einziger dieser Stoffe hat fĂŒr Dich einen ernĂ€hrungsphysiologischen oder gesundheitlichen Nutzen. Der gesamte Nutzen liegt beim Hersteller.

Was Du fĂŒr Dich und Deine Familie tun kannst

  • Wenn in Deiner Familie eine Nierenerkrankung besteht: kein einziges Lebensmittel mit zugesetzten Phosphaten. Nicht weniger – keines. Zugesetzte Phosphate können bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion schwere Folgen haben: GefĂ€ĂŸverkalkung, KnochenschĂ€den, erhöhte Sterblichkeit. Der Verzicht kostet Dich nichts, denn natĂŒrliche Lebensmittel decken den Phosphorbedarf vollstĂ€ndig ab. Sprich das Thema aktiv bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt an.
  • Lass Deine Nierenwerte prĂŒfen. Eine chronische Nierenerkrankung bleibt lange ohne Symptome. Die Mehrheit der Betroffenen weiß nichts davon – und meidet deshalb nicht, was sie meiden mĂŒsste.
  • Bei Kindern und Jugendlichen dasselbe Ziel. Sie sind die Gruppe, bei der die Behörde die Überschreitung selbst festgestellt hat – und sie essen genau die Produkte, in denen diese Stoffe stecken.
  • KĂŒrze nicht am falschen Ende. Milch, KĂ€se, Fleisch, Fisch, Eier, HĂŒlsenfrĂŒchte und Vollkorn enthalten Phosphor in einer Form, die der Körper nur zum Teil aufnimmt. Sie sind nicht das Problem. Das Problem steht auf der Zutatenliste.
  • Lies das Zutatenverzeichnis. Diese vierzehn E-Nummern sind zugesetzter Phosphor – und nur diese: E 338, E 339, E 340, E 341, E 343, E 450, E 451, E 452, E 541, E 1410, E 1412, E 1413, E 1414, E 1442. Dazu die Klartextnamen: PhosphorsĂ€ure, Natriumphosphate, Kaliumphosphate, Calciumphosphate, Magnesiumphosphate, Diphosphate, Triphosphate, Polyphosphate, Saures Natriumaluminiumphosphat – und, verdeckt, „modifizierte StĂ€rke“. Achtung: Die Zahlen dazwischen sind keine Phosphate. E 410 ist Johannisbrotkernmehl, E 440 ist Pektin, E 415 ist Xanthan.
  • Nimm „modifizierte StĂ€rke“ ernst. Zwei harmlos klingende Wörter, hinter denen sich ein chemisch mit Phosphoroxychlorid vernetztes Produkt verbergen kann. Wo sie steht, steht sie meist stellvertretend fĂŒr das, was nicht im Produkt ist: Sahne, Eigelb, Fleisch, Frucht, Kochzeit.
  • Meide die Produktgruppen, in denen die Industrie zugesetzte Phosphate verwendet: SchmelzkĂ€se, BrĂŒhwurst und Kochschinken, Cola, Fertigsaucen, Instantsuppen, Aufbackbrötchen, Fertigdesserts, Kaffeeweißer, TiefkĂŒhlgerichte. Nötig ist dort keines dieser Phosphate – nötig sind sie nur fĂŒr das industrielle Herstellungsverfahren.
  • Koche selbst. Eine frisch gebundene Sauce braucht keine Gefrier-Tau-StabilitĂ€t. Eine Wurst vom Metzger Deines Vertrauens braucht kein Wasser, das gehalten werden muss. Der gesamte technologische Zweck dieser Stoffe entfĂ€llt in einer KĂŒche.
  • Frag beim Metzger und beim BĂ€cker nach. Bei loser Ware entfĂ€llt oft das Zutatenverzeichnis – aber nicht die Auskunftspflicht.

Alle Angaben nach den in Block 11 genannten Quellen. Stand der Rechtslage: Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 und Verordnung (EU) Nr. 231/2012 in der jeweils konsolidierten Fassung. Dieses Modul ersetzt keine Àrztliche Beratung.

Cadmium, Blei, Arsen

Hochtoxische Leckerlies frei Haus auf die Teller der Konsumenten

Das EFSA-Gutachten von 2019 zu den Phosphaten sagt es wörtlich: "Nach den EU-Spezifikationen fĂŒr Phosphate sind Verunreinigungen mit den Elementen Arsen, Cadmium, Blei und Quecksilber jeweils bis zu einer Konzentration von 1 mg/kg zulĂ€ssig. Und weiter: Eine Kontamination der Phosphat-Zusatzstoffe in dieser Höhe könnte die Exposition gegenĂŒber diesen Metallen erheblich beeinflussen. Bei diesen liegt die Aufnahme bereits nahe an den von der EFSA festgelegten gesundheitsbezogenen Richtwerten oder Benchmark-Dosen

BEGLEITMODUL ZU DEN PHOSPHATEN · CADMIUM · BLEI · ARSEN

Schwermetalle in Zusatzstoffen

Warum in Phosphat-Zusatzstoffen Cadmium, Blei und Arsen erlaubt sind – und was diese Metalle im Körper anrichten

Phosphat-Zusatzstoffe beginnen im Tagebau. Das Rohphosphat, aus dem sie gewonnen werden, bringt von Natur aus Schwermetalle mit. Die EU-Reinheitskriterien erlauben deshalb in den Phosphaten Cadmium, Blei, Arsen und Quecksilber – jeweils bis zu 1 mg/kg im Zusatzstoff.

Dieses Modul erklĂ€rt, was diese drei Metalle im Körper bewirken, warum es bei zweien von ihnen keine sichere Dosis gibt – und warum ein Stoff ohne jeden Nutzen fĂŒr Dich diese Fracht ĂŒberhaupt ins Essen tragen darf.

Cadmium

IARC Gruppe 1 · krebserzeugend

Nieren- und Knochengift. Verweildauer im Körper: 10 bis 30 Jahre. Reichert sich ein Leben lang an.

Blei

IARC Gruppe 2A · wahrscheinlich

Nervengift, besonders fĂŒr Kinder. Keine sichere Dosis – die Behörde hat ihren Grenzwert zurĂŒckgezogen.

Arsen

IARC Gruppe 1 · krebserzeugend

Anorganisch krebserzeugend. Haut-, Lungen-, Blasenkrebs. Ebenfalls keine klare Schwelle.

1 Wie die Metalle ins Essen kommen

Cadmium, Blei und Arsen sind keine Zutat, die jemand absichtlich hinzufĂŒgt. Sie sind blinde Passagiere des Rohstoffs.

Rohphosphat aus dem Tagebau ist geogen belastet. Die Metalle sitzen von Natur aus im Gestein – je nach LagerstĂ€tte in unterschiedlicher Menge. Marokkanisches Rohphosphat, eine der wichtigsten Quellen fĂŒr den europĂ€ischen Markt, gilt als besonders cadmiumreich.

Bei der Verarbeitung zu LebensmittelqualitĂ€t sollen diese Begleitstoffe abgetrennt werden. VollstĂ€ndig gelingt das nicht – und es ist auch nicht verlangt. Die Verordnung (EU) Nr. 231/2012 setzt keine Nullgrenze, sondern einen Höchstwert: In den Phosphat-Zusatzstoffen sind Arsen, Cadmium, Blei und Quecksilber bis jeweils 1 mg/kg zulĂ€ssig.

Das Gestein bestimmt also mit, was am Ende im SchmelzkĂ€se, in der BrĂŒhwurst oder im Kaffeeweißer landet. Warum die EU das zulĂ€sst, statt es zu verbieten, steht in Block 5 – mitsamt der unbequemen Antwort.

2 Cadmium – das Langzeitgift fĂŒr Niere und Knochen

Cadmium verlÀsst den Körper kaum wieder: Im Körper hat es eine Halbwertszeit von 10 bis 30 Jahren. Was Du mit 30 aufnimmst, sitzt mit 50 noch in Deiner Niere. Es wird angesammelt, nicht ausgeschieden.

Quelle: EFSA CONTAM Panel · ATSDR

Was Cadmium anrichtet
  • Niere. Cadmium reichert sich in der Nierenrinde an und schĂ€digt die feinen FilterkanĂ€lchen. Ein frĂŒher Marker ist die vermehrte Ausscheidung des Proteins Beta-2-Mikroglobulin im Urin – genau daran hat die EFSA ihren Grenzwert festgemacht.
  • Knochen. Cadmium fĂŒhrt zu Knochenentmineralisierung: Entkalkung, erhöhte BrĂŒchigkeit.
  • Krebs. Die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) stuft Cadmium in Gruppe 1 ein – krebserzeugend fĂŒr den Menschen. Das ist die höchste, die gesicherte Kategorie.
Die Zahlen
Tolerierbare Aufnahme (EFSA): 2,5 ”g pro kg Körpergewicht und Woche – 2009 auf diesen Wert gesenkt, zuvor lag er fast dreimal so hoch.
Verweildauer im Körper: 10 bis 30 Jahre (im Mittel etwa 12); im Blut rund 100 Tage.
Hauptquelle: fĂŒr Nichtraucher die Nahrung – vor allem Getreide, GemĂŒse, NĂŒsse, HĂŒlsenfrĂŒchte, Kartoffeln.
Wer schon drĂŒber liegt: Vegetarier, Kinder und Raucher können den Wert um das Doppelte ĂŒberschreiten.

Der Punkt, der zĂ€hlt: Viele Menschen liegen bei Cadmium bereits am oder ĂŒber dem Richtwert. Jedes zusĂ€tzliche Cadmium aus einem nutzlosen Zusatzstoff addiert sich auf einen Pegel, der ohnehin schon zu hoch ist.

3 Blei – das Nervengift ohne sichere Dosis

Bei Blei gibt es keine sichere Menge. Die EFSA hat ihren frĂŒheren Blei-Richtwert 2010 vollstĂ€ndig zurĂŒckgezogen, weil sich fĂŒr die kritischen Wirkungen keine Schwelle finden ließ, unterhalb derer nichts passiert. Jede Aufnahme trĂ€gt bei.

Quelle: EFSA CONTAM Panel, Scientific Opinion on Lead in Food, 2010

Was Blei anrichtet
  • Gehirnentwicklung bei Kindern. Der belegte Effekt ist der Verlust an Intelligenzleistung – gemessen in IQ-Punkten. Das kindliche Gehirn ist im Aufbau und besonders empfindlich. Dies war der Grund, aus dem die Behörde den alten Grenzwert fĂŒr nicht mehr schĂŒtzend erklĂ€rte.
  • Herz-Kreislauf und Niere beim Erwachsenen. Blei erhöht den Blutdruck und schĂ€digt die Nieren.
  • Blutbildung. Blei stört die Bildung des roten Blutfarbstoffs.
  • Knochenspeicher. Chemisch dem Calcium Ă€hnlich, lagert sich Blei in die Knochen ein – und kann von dort spĂ€ter wieder freigesetzt werden, etwa in der Schwangerschaft, wo es dann das ungeborene Kind erreicht.
  • Krebs. Anorganische Bleiverbindungen fĂŒhrt die IARC in Gruppe 2A – wahrscheinlich krebserzeugend.
Die Zahlen
Tolerierbare Aufnahme: zurĂŒckgezogen – die EFSA hĂ€lt keinen Wert mehr fĂŒr schĂŒtzend, weil fĂŒr die kritischen Effekte keine Schwelle existiert.
Kritischer Effekt: BeeintrÀchtigung der neuronalen Entwicklung bei Kindern.
Verweildauer: im Knochen Jahre bis Jahrzehnte.

„Innerhalb des Grenzwerts“ bedeutet bei Blei deshalb nicht „ohne Wirkung“. Es bedeutet: ein gesellschaftlich toleriertes Risiko – nicht dessen Abwesenheit.

4 Arsen – der gesicherte Krebsverursacher

Anorganisches Arsen ist von der IARC als krebserzeugend fĂŒr den Menschen eingestuft – Gruppe 1, die gesicherte Kategorie. Und auch hier lĂ€sst sich kein sicherer Bereich sauber abgrenzen: Die Belastung der europĂ€ischen Bevölkerung liegt bereits in dem Bereich, in dem Wirkungen beobachtet wurden.

Quelle: IARC Monographs, Arsenic, Gruppe 1 · EFSA CONTAM Panel, Arsenic in Food

Was Arsen anrichtet

Anders als bei Cadmium und Blei, wo die OrganschÀden im Vordergrund stehen, ist bei anorganischem Arsen die Krebswirkung das kritische Kriterium, an dem die gesamte Bewertung hÀngt.

  • Krebs. Belegt sind vor allem Haut-, Lungen- und Blasenkrebs.
  • Haut. Charakteristische Verhornungen und Pigmentstörungen bei chronischer Aufnahme.
  • GefĂ€ĂŸe, Nerven, Herz-Kreislauf-System. SchĂ€digung bei langfristiger Belastung.
Die Zahlen
Sichere Schwelle: keine klare Schwelle – die EFSA arbeitet mit einem Dosisbereich (Benchmark-Ansatz), unterhalb dessen kein sicherer Bereich sauber abzugrenzen ist.
Kritischer Effekt: Krebs (Haut, Lunge, Blase).
Besonderheit: Die europĂ€ische Exposition liegt bereits im Wirkbereich – der Abstand zur „unbedenklichen“ Menge fehlt.

Hinweis zur Genauigkeit: Toxikologisch relevant ist vor allem das anorganische Arsen. Organische Arsenverbindungen, etwa in manchen MeeresfrĂŒchten, gelten als deutlich weniger bedenklich. In den mineralischen Rohstoffen der Phosphate liegt Arsen jedoch anorganisch vor.

5 Warum die EU das zulÀsst
Zuerst die ehrliche, technische Antwort

Die EU erlaubt Schwermetalle in Phosphaten nicht, weil sie sie fĂŒr harmlos hĂ€lt, sondern weil eine Null technisch unmöglich ist.

  • Der Rohstoff bringt die Metalle mit. Sie sitzen geologisch im Gestein. Kein Reinigungsverfahren entfernt sie restlos.
  • „Null Schwermetalle“ wĂ€re keine strenge Vorschrift, sondern eine unerfĂŒllbare. Der Stoff wĂ€re damit faktisch verboten.
  • Statt Verbot ein Höchstwert. Der Gesetzgeber zieht eine Grenze – „bis hierher geduldet, darĂŒber nicht verkehrsfĂ€hig“. FĂŒr die Phosphate steht sie in der Verordnung (EU) Nr. 231/2012 und liegt bei diesen Metallen typischerweise bei 1 mg/kg.
  • Diese Grenze ist ein Kompromiss, kein Sicherheitsbeweis. Sie richtet sich nach dem, was industriell erreichbar ist – nicht allein nach dem, was gesundheitlich wĂŒnschenswert wĂ€re. Sie sagt nicht „so viel ist sicher“, sondern „so viel bekommen wir mit vertretbarem Aufwand nicht weg“.

Das ist ĂŒbrigens kein Sonderfall der Phosphate. Höchstwerte statt Nullgrenzen sind im Lebensmittelrecht die Regel – fĂŒr Getreide, Fisch und Trinkwasser genauso.

Die eigentliche Frage ist eine andere: Warum darf ein Stoff, der diese Schwermetallfracht mitbringt, ĂŒberhaupt ins Essen – wenn er dem Menschen, der ihn isst, nicht den geringsten Nutzen bringt?

Und jetzt die unbequeme Antwort

Der Zulassungsmaßstab fĂŒr Zusatzstoffe fragt nur eines: Ist ein Schaden unterhalb des Grenzwerts nachweisbar? Er fragt nie: Hat der Verbraucher etwas davon?

Genau darin liegt die LĂŒcke. Ein Phosphat-Zusatzstoff muss dem Esser nichts bringen, um zugelassen zu werden – und er bringt ihm auch nichts. Sein gesamter Nutzen liegt beim Hersteller: Wasser binden und als Ware verkaufen, KĂ€sereste zu Streichmasse schmelzen, Wurst schwerer machen, Fertigsaucen ohne Sahne cremig erscheinen lassen. Mehr Textur, mehr Haltbarkeit, mehr Gewinn – und mehr Spielraum fĂŒr TĂ€uschung darĂŒber, was wirklich im Produkt steckt.

So entsteht die Bilanz, die dieses Modul trÀgt:

  • FĂŒr Dich: kein Nutzen – dafĂŒr ein Beitrag zu einer lebenslangen Schwermetalllast, die ohnehin zu hoch ist.
  • FĂŒr den Hersteller: technologischer und wirtschaftlicher Vorteil – und die Möglichkeit, ein billigeres Produkt teurer aussehen zu lassen.

Das System verbietet nicht, was schadet. Es duldet, was sich nicht vermeiden lĂ€sst – und stellt dabei nie die Frage, ob das, was die Metalle hineintrĂ€gt, ĂŒberhaupt einen Grund hat, im Essen zu sein.

6 Das gemeinsame Muster der drei Metalle
IARC-Einstufungen: Gruppe 1 – krebserzeugend fĂŒr den Menschen (Cadmium, Arsen) · Gruppe 2A – wahrscheinlich krebserzeugend (anorganisches Blei) · Gruppe 2B – möglicherweise krebserzeugend · Gruppe 3 – nicht einstufbar
Drei Dinge verbinden Cadmium, Blei und Arsen
  • Sie verschwinden nicht. Alle drei sind Kumulationsgifte mit Halbwertszeiten von Jahren bis Jahrzehnten. Der Körper sammelt an, statt auszuscheiden. „Eine kleine Menge pro Portion“ ist deshalb irrefĂŒhrend – es zĂ€hlt die Summe eines ganzen Lebens.
  • Bei zweien gibt es keine sichere Dosis. FĂŒr Blei und anorganisches Arsen haben die Behörden keine Schwelle, unter der nichts passiert. „Innerhalb des Grenzwerts“ heißt hier nicht „ohne Wirkung“, sondern „toleriertes Risiko“.
  • Die Bevölkerung liegt schon am Limit. Genau diesen Satz hat die EFSA in ihrer Phosphat-Bewertung 2019 selbst gezogen: Weil viele Menschen ohnehin nah an oder ĂŒber den Richtwerten liegen, ist jeder vermeidbare Zusatzeintrag relevant. Und ein Zusatzstoff ohne jeden Nutzen ist der Inbegriff des Vermeidbaren.

Die eine Frage, auf die alles zulĂ€uft: Wenn ein Stoff dem Esser nichts bringt – mit welcher Rechtfertigung bringt er dann ĂŒberhaupt irgendein Cadmium, Blei oder Arsen mit, und sei es noch so wenig?

7 Quellen
  • EFSA CONTAM Panel: Cadmium in food – Scientific Opinion. EFSA Journal 2009;7(10):980 · DOI 10.2903/j.efsa.2009.980 · tolerierbare wöchentliche Aufnahme 2,5 ”g/kg KG, bestĂ€tigt 2011. Volltext 2009: doi.org/10.2903/j.efsa.2009.980 · BestĂ€tigung 2011: efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2011.1975
  • EFSA CONTAM Panel: Scientific Opinion on Lead in Food. EFSA Journal 2010;8(4):1570 · RĂŒcknahme des frĂŒheren PTWI, keine schĂŒtzende Schwelle fĂŒr die neuronale Entwicklung. doi.org/10.2903/j.efsa.2010.1570 · „no evidence for a threshold for critical lead-induced effects“ (EFSA 2010)
  • EFSA CONTAM Panel: Scientific Opinion on Arsenic in Food. EFSA Journal 2009;7(10):1351 · Benchmark-Ansatz fĂŒr anorganisches Arsen. doi.org/10.2903/j.efsa.2009.1351
  • IARC – International Agency for Research on Cancer, Monographs: Cadmium – Gruppe 1 · Arsen (anorganisch) – Gruppe 1 · Blei (anorganisch) – Gruppe 2A. KlassifikationsĂŒbersicht: monographs.iarc.who.int/list-of-classifications
  • Kernbeleg fĂŒr die Schwermetalle in Phosphaten: EFSA FAF Panel: Re-evaluation of phosphoric acid–phosphates (E 338–341, E 343, E 450–452). EFSA Journal 2019;17(6):5674. Belegt wörtlich, dass Arsen, Cadmium, Blei und Quecksilber je bis 1 mg/kg zulĂ€ssig sind und dies die Gesamtaufnahme erheblich beeinflussen kann. Offizielle Fassung: efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2019.5674 · Frei zugĂ€nglicher Volltext: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7009158
  • Verordnung (EU) Nr. 231/2012 zur Festlegung von Spezifikationen fĂŒr Lebensmittelzusatzstoffe – Höchstgehalte fĂŒr Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber in den Phosphat-Zusatzstoffen. Konsolidierte Fassung: eur-lex.europa.eu → CELEX 02012R0231
  • ATSDR – Agency for Toxic Substances and Disease Registry: Toxicological Profile for Cadmium. Angaben zur biologischen Halbwertszeit von Cadmium. atsdr.cdc.gov/toxprofiles/tp5.pdf

Kurz gemerkt

  • Cadmium, Blei und Arsen stammen aus dem Rohphosphat und lassen sich technisch nicht restlos entfernen. Die EU erlaubt sie in Phosphaten bis jeweils 1 mg/kg.
  • Cadmium (IARC Gruppe 1, krebserzeugend) schĂ€digt Niere und Knochen und bleibt 10 bis 30 Jahre im Körper. Viele Menschen liegen schon am Richtwert.
  • Blei (IARC Gruppe 2A) schĂ€digt die Gehirnentwicklung von Kindern. Es gibt keine sichere Dosis – die EFSA hat ihren Grenzwert zurĂŒckgezogen.
  • Arsen (IARC Gruppe 1, anorganisch) verursacht Haut-, Lungen- und Blasenkrebs. Auch hier keine klare Schwelle.
  • Alle drei sind Kumulationsgifte: Der Körper sammelt an, statt auszuscheiden. Es zĂ€hlt die Lebenssumme, nicht die einzelne Portion.
  • Der Zulassungsmaßstab prĂŒft nur, ob ein Schaden nachweisbar ist – nie, ob der Verbraucher einen Nutzen hat. Ein Phosphat-Zusatzstoff hat fĂŒr Dich keinen. Der Nutzen liegt beim Hersteller: mehr Textur, mehr Haltbarkeit, mehr Gewinn, mehr Spielraum zur TĂ€uschung.

Was Du fĂŒr Dich und Deine Familie tun kannst

  • Denk in Lebenssummen, nicht in Portionen. Diese Metalle bleiben Jahrzehnte. Jede vermiedene Quelle senkt die Last, die Du ein Leben lang trĂ€gst.
  • Meide die Produkte mit zugesetzten Phosphaten – sie sind eine vermeidbare Schwermetallquelle ohne jeden Gegenwert: SchmelzkĂ€se, BrĂŒhwurst, Cola, Fertigsaucen, Instantsuppen, Kaffeeweißer, TiefkĂŒhlgerichte.
  • Reduziere hochverarbeitete Lebensmittel insgesamt. Je nĂ€her ein Lebensmittel am Ursprung ist, desto weniger Zusatzstoffe – und desto weniger TrĂ€gerstoffe fĂŒr Schwermetalle.
  • Achte besonders auf Kinder. Blei trifft die Gehirnentwicklung, Cadmium wird im Wachstum stĂ€rker aufgenommen. Kinder essen genau die Produkte, in denen zugesetzte Phosphate stecken.
  • Wenn Du rauchst: Tabak ist eine der grĂ¶ĂŸten Cadmiumquellen ĂŒberhaupt. Der Nahrungsanteil kommt zusĂ€tzlich obendrauf.
  • Iss abwechslungsreich. Wer nicht stĂ€ndig aus denselben belasteten Quellen isst, verteilt das Risiko – eine einseitige ErnĂ€hrung kann einzelne Metalle unnötig anhĂ€ufen.

Alle Angaben nach den in Block 7 genannten Quellen. Dieses Modul ersetzt keine Àrztliche oder toxikologische Beratung. Die zulÀssigen Höchstgehalte beziehen sich auf den Zusatzstoff selbst; wie viel davon im fertigen Lebensmittel ankommt, hÀngt von der eingesetzten Menge ab.